Unveröffentliche IGES-Studie über PKV löst Ärger und Diskussionen aus
Überzeugte Vertreter des Modells der privaten Krankenversicherung mag die recht PKV-freundliche Politik der schwarz-gelben Koalition grundsätzlich freuen. Und in der Tat: Als PKV-Versicherter genießt man in den meisten Fällen und Tarifen einen sehr hochwertigen Gesundheitsschutz. Was viele Privatpatienten aber nur mit Murren zugeben: billig ist die private Versicherung ganz und gar nicht – auch wenn das häufig suggeriert wird und in den ersten (jungen) Versicherungsjahren stimmt.
Mit den verbessertenen Regeln für erhöhte Altersrückstellungen haben die privaten Versicherer sicherlich einiges getan, um die Beitragssteigerungen der inviduellen Versicherten mit steigendem Alter deutlich abzufedern. Doch was dieses Vorab-Sparen nicht ändern kann: die Leistungen und Produkte in unserem Gesundheitssystem werden nicht billiger. Das hängt nicht nur mit reinen Preissteigerungen zusammen, sondern auch mit immer mehr (da neuen, zusätzlichen) sowie aufwändigeren und besseren Diagnose- und Behandlungsverfahren.
Bisher war man ja der Meinung, dass das PKV-Systemen mit individuellen Beiträgen (auf die eigene, einzelne Person gemünzt), das bessere System im Vergleich zur GKV sei, um Beitragssteigerungen in der Krankenversicherung so gut wie möglich im Zaum zu halten. Eine noch von der alten Bundesregierung in Auftrag gegebene Studie zum Wettbewerb und der ‘Demografie-Festigkeit’ der privaten Krankenversicherung widerspricht dieser Ansicht – und zwar gehörig. Laut einem Bericht des Handelsblatts kommt man bei dem mit dem Forschungsprojekt beauftragten IGES Institut in Berlin zu dem Schluss, dass begründete Zweifel bestehen, “dass die PKV ihren Ansprüchen gerecht werden kann, einen besseren Schutz gegen Beitragssteigerungen zu bieten”.
Das löst nun heftige Diskussionen und viel Ärger in der Koalition rund um Gesundheitsminister Rösler aus. Gerüchten zufolge lag die Studie dem Gesundheitsministerium sehr wohl vor, man hätte sie aber in der Schublade verschwinden lassen, da die Studienergebnisse nicht zur aktuellen politischen Linie der Koalition in Sachen Krankenversicherung und Gesundheitssystem passen.
Und auch die Ärzte Zeitung schreibt mit Bezug auf die o.g. Studie: “Zwischen 1997 und 2008 seien die Ausgaben je PKV-Versichertem um 49 Prozent, die der GKV-Versicherten nur um 31 Prozent gestiegen”.
Der Sprecher des PKV-Verbands Jens Wegner verweigerte vorerst eine Stellungnahme zur Studie mit dem Verweis, dass diese unveröffentlicht sei (nicht für die Öffentlichkeit freigegeben?). Man kenne aber sehr wohl viele der in der Studie vorgebrachten Argumente und müsse betonen, dass die häufiger Wiederholung falscher Aussagen diese Aussagen nicht wahrer mache.
In jedem Fall löst die Studie heftig Ärger in den betroffenen Kreisen aus und macht der Regierung die sicher nötige, weitere Reformierung des Gesundheits- und Krankenversicherungssystems nicht einfacher.
